AfA Thüringen

„Wir brauchen eine neue Debatte um die Soziale Sicherung“

Arbeit & Wirtschaft

Interview mit dem Thüringer Verdi-Bezirksvorsitzenden Denny Möller für unsere diesjährige Maizeitung

Die Arbeitslosenquote sinkt, der Fachkräftebedarf steigt und mit dem Mindestlohn wurde die Lohnsituation verbessert. Brauchen wir eigentlich noch eine Debatte zu „Guter Arbeit“?

Ja, darüber müssen wir reden. Die gute wirtschaftliche Situation in Thüringen haben die Beschäftigten erarbeitet, indem sie z.B. in den letzten Jahren auf gerechtfertigte Lohnerhöhungen verzichtet haben, viele Überstunden machen und insgesamt große Zurückhaltung bei der Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen gezeigt haben. Der DGB-Index Gute Arbeit belegt immer wieder, dass die Arbeitsbedingungen in Thüringen schlechter sind als im Bundesdurchschnitt, unsere Beschäftigten machen mehr Überstunden und haben die geringsten Löhne. Wir sind mit unserem Kampf für Gute Arbeit noch lange nicht am Ende. 

Generell gilt: Egal, wie arbeitnehmerfreundlich Politik ist, es ist immer eine Machtfrage zwischen Arbeitgeber*innen und Arbeitnehmer*innen. Gute Arbeit muss erkämpft werden. Dafür braucht es gut organisierte Beschäftigte in den Betrieben und als Mitglieder in den Gewerkschaften.

Welche Rolle spielt Mitbestimmung für Sie?

Demokratie endet nicht am Werkstor, vielmehr sind Betriebe ebenso Orte der Demokratie. Bei der Ausgestaltung der betrieblichen Abläufe müssen die Beschäftigten mitreden. Betriebliche Mitbestimmung braucht starke Gewerkschaften als Partner, um mit den Arbeitgebern auf Augenhöhe zu kommen. Darüber hinaus ist Mitbestimmung im Betrieb ein Garant für wirtschaftlichen Erfolg. Wir wissen, dass zufriedene Beschäftigte nicht nur lieber, sondern auch besser arbeiten. 

Vor dem Hintergrund der kleinteiligen Thüringer Wirtschaft ist es nach wie vor eine besondere Herausforderung, Mitbestimmung im Betrieb durch Betriebs- und Personalräte sicherzustellen.

Wie wird über die AfD innerhalb der Gewerkschaften debattiert?

Zunächst einmal sind wir alle Kolleginnen und Kollegen. Im Betrieb und unseren Dienststellen unterscheiden wir nicht nach Ethnie oder Geschlecht. Eine Politik, die auf gesellschaftliche Spaltung setzt, kann nicht die Politik der Gewerkschaften sein. Diese Haltung erwarten wir auch von der Politik. Sie muss Orientierung bieten. Wir brauchen eine Politik der Vorbilder, die nicht die Einen gegen die Anderen ausspielt. 

Wo sehen sie zukünftige Herausforderungen für die Gewerkschaften?

Erstens: Wir müssen uns noch intensiver um junge Beschäftigte bemühen und sie für ein Engagement in den betrieblichen Mitbestimmungsgremien und den Gewerkschaften begeistern. 

Zweitens: Wir brauchen eine Strategie für die Arbeitswelt 4.0. Flexibilisierung und Digitalisierung sind zunächst Rationalisierungsprozesse und haben Auswirkungen auf die Arbeitsbedingungen und Mitbestimmungsmöglichkeiten. Wir müssen diese Prozesse so gestalten, dass auch die Beschäftigten davon profitieren. 

Drittens: Es braucht eine neue Debatte um die soziale Sicherung. Als Gewerkschafter wünsche ich mir ein modernes System sozialer Sicherung, welches beispielsweise dafür sorgt, dass Menschen im Alter von ihrer geleisteten Arbeit auch gut leben können und in dem Erwerbslose nicht unter Druck gesetzt werden , sondern Unterstützung und Förderung erfahren.

 
 

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